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Sehr informativer Kräuterrundgang

22 Personen standen am 10. Juli spätnachmittags erwartungsvoll am Eingang des Allmelde-Waldgartens in Sichtnähe der strahlend violetten Blüten der Artischocken, die meisten aus Edingen-Neckarhausen, aber, dank der Ankündigung in der Presse, auch einige von auswärts.

Dass die Artischocke, eine distelartige Kulturpflanze aus der Familie der Korbblütler, wegen ihrer essbaren knospigen Blütenstände angebaut und als Blütengemüse gern verzehrt wird, darauf geht unsere kräuterkundigen Leiterin Corinna Heyer nicht weiter ein, denn heute beschäftigen wir uns mehr mit der medizinischen Wirkung der Pflanzen. Wir lernen, dass der Tee, für den sich alle Teile der Artischocke -außer den Stielen - eignet, die Verdauung fördert, die Leber- und Gallenfunktion reguliert und dadurch auch die Cholesterinwerte in Balance bringen kann.

Hochgiftig, vor allem für Pferde, ist das Jakobskreuzkraut, auch Jakobsgreiskraut. Mit seinen kleinen leuchtend gelben Blüten ähnelt es dem Johanniskraut, aber verblüht werden sie grauweiß und strubbelig, wie Greise. Seine Alkaloide verursachen Leberschäden, und Pferde können, wenn sie es im Heu unbemerkt mitfressen, daran sterben. Frisch, auf der Wiese, meiden sie es von selbst.

Wäre es nicht besser, es dann überall auszureißen, wird gefragt. Corinna Heyer erzählt, dass es auch Schmetterlinge und Raupen gibt, die sich gerade hier, auf diesem Jakobskreuzkraut, wohlfühlen und gedeihen…

Die zart violette Kronwicke, die wir als Nächstes betrachten, gehört zur Familie der Schmetterlingsblütler. Sie ist sehr hübsch und beliebt bei Schmetterlingen, aber taugt nicht zum Verzehr, wie etwa im Salat, erfahren wir.

Ein echtes „Frauenkraut“ dagegen ist die Schafgarbe, auch ein Korbblütler: Ein Tee aus Blüten und Blättern hilft bei Regelbeschwerden.

Aus den Blättern des Spitzwegerichs kann man einen Pflanzensaft quetschen, wird gezeigt, der entzündungshemmend wirkt, und gleich bestätigt eine Teilnehmerin des Rundgangs: Ja, sie habe einmal eine Beule damit behandelt, und die ging tatsächlich gleich zurück! Auch für Salat sind Spitzwegerich-Blätter zu empfehlen, die Knospen schmecken sogar fast wie Pilze. Dann treffen wir auf Salbei, der zur Familie der Lippenblütler gehört. Salbei kennt fast jeder als wirkungsvolle Husten-Heilpflanze für den klassischen Salbeitee mit Honig.

Auch zu den Korbblütlern gehört die kanadische Goldrute, leicht zu erkennen an ihre buschig gelben Blüten und ihrem typischen hohen Wuchs, die bei uns weit verbreitet ist, aber eigentlich aus Kanada kommt, wie der Name schon sagt. Mit Wohlgefallen sehen wie die vielen Bienen daran, auch wenn es nur Honig-Bienen sind, sozusagen Haustiere, die nicht so dringend unseren Schutz brauchen wie die immer seltener werdenden Wildbienen.

Der Tee, den wir aus der Kanadischen Goldrute herstellen können, wirkt harntreibend, aber die Echte Goldrute, unter anderem auch „Heidnisch Wundkraut“ genannt, die viel kleiner und unscheinbarer aussieht, wäre da noch wirkungsvoller.

Auf dem großen Rundbeet neben der Gerätehütte steht ein riesiger Wermutstrauch mit graugrünen Blättern und aromatischem Duft. Er gehört auch zu den Korbblütlern, die kleinen gelben Blüten sind in rispenartigen Gruppen zusammengefasst. Wermut enthält eine hohe Konzentration an Bitterstoffen. Alle Teile sind sehr bitter. Er wird auch zu Absinth verwendet. Wegen seiner gesundheitsschädigenden Wirkung aufgrund des Thujon-Gehaltes – es kann zu Benommenheit, Erbrechen, Bauchschmerzen, sogar Nervenschäden und Störungen des zentralen Nervensystems kommen -   war Absinth zeitweise in manchen Ländern, auch bei uns in Deutschland, verboten.

Der berühmte holländische Maler Vincent van Gogh hat sich im Absinthrausch aus Liebeskummer ein Ohr abgeschnitten!

Aber die Menge macht das Gift. Wermut hilft bei Beschwerden der Verdauung wie Gastritis oder Blähungen, auch zur Anregung der Leberfunktion und bei krampfartigen Störungen. Hier wirken die Bitterstoffe verdauungsfördernd.

Ganz in der Nähe wächst Wolliger Ziest, ein Lippenblütler, dessen längliche Blätter dicht weißseidig wollig behaart sind, wichtig für die Wollbiene, die hier Material für die Polsterung ihrer Niströhren findet.

Das Johanniskraut gegenüber mit seinen goldgelben Blüten hilft bei leichten Depressionen, Stimmungsschwankungen, Angst und nervösen Zuständen. Dafür sorgt der Inhaltsstoff Hyperforin, der die Wiederaufnahme von Botenstoffen (Neurotransmittern) hemmt. Weitere Inhaltsstoffe, zum Beispiel Hypericin, wirken Entzündungshemmend. Johanniskraut kann man sowohl als Tee anwenden als auch äußerlich. In Verbindung mit Sonnenlicht muss man vorsichtig sein, denn es kann zu schädlichen Reaktionen bei Haut und Augen führen. Auch in Bezug auf Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten ist hier Vorsicht geboten.

Auf unseren weiteren Weg betrachten wir die violetten Wiesenflockenblumen, die den Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und auch einigen Schmetterlingsarten willkommene Nahrung bieten.

Auf einem Beet fallen die leuchtend rot -orangen Blüten der Kapuzinerkresse auf. Ursprünglich aus Peru, kam sie im 15. Jahrhundert nach Europa. Der Name ist von der Form der Blüten abgeleitet, sie ähnelt nämlich – bei etwas Vorstellungskraft – der spitzen Kapuze einer Mönchskutte. Man kann die runden grünen Blätter und auch die Blüten essen, sie schmecken leicht scharf und würzig und sind sehr gesund. Durch ihre Senfölglykoside und Vitamin C wirken sie gegen grippale Infekte, Infektionen der Harnwege und gegen Verstopfung.

Eine uralte Heilpflanze bei Wundheilungsstörungen ist die gelbe Ringelblume, was an dem enthaltenen Saponin und den Flavanoiden liegt. Der Name Ringelblume leitet sich von den zusammengeringelten Samen ab.

Mitten zwischen den Ringelblumen entdeckt Corinna Heyer einige verblühte Kornraden. Bis zu den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts wuchsen Kornraden oft zwischen dem Getreide auf den Äckern – aber sie sind sehr giftig! Deshalb gab man sich große Mühe, sie auszurotten, und jetzt sind sie so selten, eine geschützte Rarität, dass Corinna Heyer sich erfreut eine mitnehmen wollte, und einige andere ihrem Beispiel folgten.

Eine Heilpflanze ist wieder das Mutterkraut, das der Kamille ähnelt und deshalb oft Falsche Kamille oder auch Frauenminze genannt wird. Der aromatische Duft erinnert und Wermuth, ist aber schwächer. Schon seit der Antike wurde Mutterkraut vor allem bei Frauenbeschwerden verwendet, aber auch bei Migräne und chronischen Kopfschmerzen. Es findet als Tee, Präparat und Tinktur Anwendung.

Weitere Kräuter gedeihen auf der gerade frisch angelegten wunderschönen großen Kräuterspirale: Lila blühender wilder Dost (Oregano), vor allem als Gewürz verwendet; Basilikum, das ursprünglich aus Asien und nicht, wie wir meistens denken, aus Italien kommt; Salbei; Zitronenmelisse, die antiviral wirkt, zum Beispiel gegen Herpes. Muskatellersalbei mit hübschen lila-weißen Blüten, beruhigt die Nerven, löst Spannungen und Ängste und wirkt darüber hinaus aphrodisierend und anregend. Auch die Holzbiene liebt diese Pflanze. Der etwas spezielle Duft ist schwer zu beschreiben, ein Vorschlag war schließlich: „… riecht wie ein verschmutztes Männerunterhemd…“

Der Mönchspfeffer, aus Südeuropa, ein Strauch aus der Familie der Lippenblütler, trägt duftende blauviolette Blüten. Er wird auch Keuschkraut genannt, und ist bei typischen Frauenleiden wie Menstruationsbeschwerden wirksam. Die Früchte der Pflanze wurden als Ersatz für Pfeffer verzehrt. Wie der Name schon andeutet, sollte er den Mönchen dabei helfen, ihr Gelübde der Keuschheit zu befolgen.

Zum Schluss ein Lob auf die Brennnessel, die Heilpflanze des Jahres 2022! Sie ist eine der besten Heilpflanzen für Potenz, Schönheit und Vitalität. Als Tee, als Wildkraut für Salat oder als Saft wirkt sie entschlackend und Blut reinigend, das enthaltene Silicium ist gut für Haut und Haar. Die Brennnessel ist zweihäusig, es gibt also männliche und weibliche Brennnesseln. Die männlichen tragen ab September kleine Nüsse, die wegen ihres hohen Eiweißgehalts sehr nahrhaft sind.

Nach diesem sehr informativen Kräuterrundgang gingen alle Teilnehmer sehr angeregt nach Hause. (ANH)

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